Steuern – Kosten der Ehescheidung absetzbar – Musterschreiben

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Steuern – Kosten der Ehescheidung absetzbar – Musterschreiben

Die Kosten einer Ehescheidung sind als außergewöhnliche Belastungen steuerlich absetzbar. So jedenfalls hat das Finanzgericht Köln in einem Urteil zu Aktenzeichen 14 K 1861/15 vom 13.01.2016 entschieden.

Im Ergebnis erlaubt das Urteil dem Betroffenen den Abzug der Kosten des Scheidungsverfahrens in seiner Steuererklärung als außergewöhnliche Belastungen. Kosten des Scheidungsverfahrens – so das Finanzgericht ausdrücklich – sind abzugsfähigen Prozesskosten. Hierzu ein kleiner Fall:

Ihr Ehescheidungsverfahren ist im Jahre 2014 abgeschlossen worden. In diesem Jahr haben Sie die damit verbundenen Rechtsanwalts- und Gerichtskosten in voller Höhe gezahlt. Die Steuererklärung für das Jahr 2014 haben Sie im Jahre 2015 abgegeben. Zu dieser Steuererklärung ist noch kein Steuerbescheid ergangen. Hierzu ein Musterschreiben:

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Wilhelmine Knöterich
Parkstraße 27
43210 Entenhausen

Finanzamt Steuerstadt
Straße der Abgabenordnung 142
43241 Steuerstadt

Datum
Steuernummer 999/98765/123456

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor einiger Zeit habe ich meine Steuererklärung bei Ihnen eingereicht. Ein Steuerbescheid hier zu liegt mir noch nicht vor. Bei der Steuererklärung habe ich verschiedene Kosten nicht berücksichtigt, die berücksichtigt werden könnten. Ich bitte Sie, diesen Aufwand als außergewöhnliche Belastungen nachträglich zu berücksichtigen.

Bei diesen Kosten handelt es sich um Scheidungskosten wie folgt:

1.   Gerichtskosten laut Gerichtskostenabrechnung vom 00.00.2014 – Anlage 1
2.   Gezahlt am 00.00.2014 – Anlage 2 Kontoauszug / Überweisungsbeleg
3.   Gerichtskosten laut Gerichtskostenabrechnung vom 00.00.2014 – Anlage 1
4.   Gezahlt am 00.00.2014 – Anlage 2 Kontoauszug / Überweisungsbeleg
5.   Fahrtkosten zur Verhandlung am 00.00.2014
6.   Fahrtkosten zur Verhandlung am 00.00.2013

Sollten Sie die geltend gemachten Kosten nicht anerkennen, so bitte ich freundlich um schriftliche Mitteilung der Gründe. In diesem Fall beantrage ich schon jetzt die Aussetzung der Vollziehung hinsichtlich der Steuern, die auf die angegebenen Beträge entfallen.

Zur Begründung verweise ich auf das Urteil des Finanzgerichtes Köln zu Aktenzeichen 14 K1861/15 vom 13. Januar 2016.

Mit freundlichen Grüßen

Wilhelmine Knöterich

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Wir regen an, dass Sie sämtliche Kosten im Zusammenhang mit dem Scheidungsverfahren angeben. Hierzu gehören insbesondere auch die Fahrtkosten. Bitte beachten Sie jedoch, dass diese Kosten vom Finanzamt geprüft werden. Die mündlichen Verhandlungen im Scheidungsverfahren werden oft zusammen mit den Verfahren zur Vermögensauseinandersetzung oder zum Unterhalt durchgeführt. In derartigen Fällen wird das Finanzamt die Anerkennung der Fahrtkosten zumindest infrage stellen und gegebenenfalls auch verweigern.

Möglicherweise werden Ihnen auch vom Gericht und/oder vom Anwalt Abrechnungen erteilt, die andere Leistungen als das Scheidungsverfahren betreffen. Dies ist oft nicht ohne weiteres erkennbar. In diesen Fällen wird ihr Anwalt sicherlich eine ordnungsgemäße Rechnung erstellen, die nur das Scheidungsverfahren betrifft. Nehmen Sie mit ihm einfach Kontakt auf.

Falls Sie den Steuerbescheid schon erhalten haben, legen Sie dagegen Einspruch ein. Dies ist innerhalb einer Frist von einem Monat nach Zugang des Steuerbescheids bei Ihnen möglich. Sollten Sie den Bescheid schon länger als einen Monat haben und Sie keinen Einspruch eingelegt haben, so ist er rechtskräftig und eine nachträgliche Berücksichtigung der Scheidungskosten wird aller Voraussicht nach nicht mehr möglich sein.

Falls Sie den Steuerbescheid bekommen, ohne dass die geltend gemachten Kosten anerkannt werden, sollten Sie sofort Einspruch einlegen und Aussetzung der Vollziehung beantragen. Hierzu finden Sie ein Musterschreiben an anderer Stelle unseres Blogs.

Gern stehen wir Ihnen für weitere Fragen zur Verfügung

Von | 25. Mai 2016|Familienrecht, Steuerrecht|

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